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  • Pete Fink "Das Phänomen NASCAR" Buch
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Pete Fink "Das Phänomen NASCAR" Buch

Pete Fink "Das Phänomen NASCAR" Buch

100% - 5 von 5 Sternen! 1 Bewertung(en)
Für Pete Fink ist die NASCAR seit dem Jahr 2007 das "Daily Business". Der gebürtige Münchner ist für das größte deutschsprachige Motorsport-Portal "Motorsport-Total.com" permanent im Einsatz, um die deutschen NASCAR-Fans mit Informationen rund um den US-amerikanischen Motor-sport-Giganten zu versorgen. "Das Phänomen NASCAR" mit 432 Seiten war lange überfällig.  Gewicht ca. 650 g Jetzt ist es endlich als gebundene Ausgabe da. "Das Phänomen NASCAR" beleuchtet die faszinierende Geschichte der Stock-Cars von den ersten unorganisierten Rennen der Whiskeyschmuggler hin zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Giganten. Wie ein vermeintlicher Krimineller zu einem der größten NASCAR-Helden wurde, wird von Pete Fink genauso anschaulich und jederzeit unterhaltsam geschildert wie die Frage, warum der erste Sieg des späteren “King of NASCAR” an der Intervention des eigenen Vaters scheiterte. Oder die Geschichte von Jocko Flocko - dem einzigen Affen, der jemals ein NASCAR-Rennen gewann.
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Artikelnummer: 2320
Pete Fink
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Für Pete Fink ist die NASCAR seit dem Jahr 2007 das "Daily Business". Der gebürtige Münchner ist für das größte deutschsprachige Motorsport-Portal "Motorsport-Total.com" permanent im Einsatz, um die deutschen NASCAR-Fans mit Informationen rund um den US-amerikanischen Motor-sport-Giganten zu versorgen. "Das Phänomen NASCAR" mit 432 Seiten war lange überfällig. Gewicht ca. 650 g

Jetzt ist es endlich als gebundene Ausgabe da.

"Das Phänomen NASCAR" beleuchtet die faszinierende Geschichte der Stock-Cars von den ersten unorganisierten Rennen der Whiskeyschmuggler hin zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Giganten. Wie ein vermeintlicher Krimineller zu einem der größten NASCAR-Helden wurde, wird von Pete Fink genauso anschaulich und jederzeit unterhaltsam geschildert wie die Frage, warum der erste Sieg des späteren “King of NASCAR” an der Intervention des eigenen Vaters scheiterte. Oder die Geschichte von Jocko Flocko - dem einzigen Affen, der jemals ein NASCAR-Rennen gewann.

 

Es muss gute Gründe geben, wenn sich Wochenende für Wochenende über 100.000 Zuschauer auf den US-amerikanischen Speedways einfinden. Wenn die Menschenmassen vier Stunden lang 43 Rennwagen mit tief brüllenden V8-Motoren und rund 850 PS verfolgen, wenn sie sich beim Bejubeln ihrer Helden die Seele aus dem Leib schreien und anschließend sofort zum nächsten Besuch eines NASCAR-Rennens aufbrechen.

 

"Das Phänomen NASCAR" ist sowohl für den alteingesessenen NASCAR-Junkie als auch für die stetig wachsende Gemeinde neuer NASCAR-Fans das perfekte Begleitbuch. Es überträgt die Begeisterung für die mit Abstand populärste Rennserie der USA in bisher ungekannter Form und Fülle auf den deutschsprachigen Raum.

 

 

Leseprobe:

 

Das Phänomen

NASCAR

_______________

Pete Fink

PETE FINK • 4

Vorwort

GÜNTHER STEINER

(ehemals NASCAR-Teamchef von Team Red Bull)

Für einen motorsportinteressierten Amerikaner ist die

NASCAR der Alltag. Für uns Europäer nicht. Für uns ist diese

Institution nur schwer zu begreifen. Was steckt hinter dieser

Serie, die in der amerikanischen Kultur kaum mehr wegzudenken

ist? Eine gute Frage. Ich gebe es aus eigener Erfahrung gerne

zu: Auch ich brauchte damals einige Zeit, um diese Art von

Motorsport zu durchblicken, obwohl ich als Teamchef von Red

Bull sehr aktiv in der NASCAR eingebunden war.

Wenn du in Charlotte lebst, dann dreht sich alles um die

NASCAR. Mich hat es damals, Ende 2006, Anfang 2007, aber

auch interessiert, was außerhalb der USA über den Sport geschrieben

wurde. Also habe ich die verschiedenen Webseiten

durchforstet und der einzige, der dabei heraus stach, war ein gewisser

Pete Fink. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal,

ob er Deutscher oder vielleicht sogar Amerikaner war, denn

vom Vornamen Pete konnte man nicht sofort auf die Nationalität schließen.

Nach unseren ersten Telefonaten und Fachsimpeleien hat

sich diese Frage aber schnell geklärt. Ich wollte diesen "Vogel"

nun unbedingt persönlich kennen lernen und so habe ich ihn zu

einem Rennen einladen lassen. Aus diesem direkten Kontakt

hat sich zunächst ein gegenseitiger Respekt, und später dann

eine Freundschaft entwickelt, die bis heute andauert.

 

Wann immer es zeitlich möglich ist, treffen wir uns bei

einem meiner Heimatbesuche. Anfang des Jahres erzählte mir

Pete bei unserem üblichen Kaffee auf dem Münchner Flughafen,

dass er gerade ein deutsches NASCAR-Buch schreibt. Da

wurde mir erst so richtig bewusst, dass es nach langer Zeit

wieder das erste deutschsprachige Buch über das Phänomen

NASCAR sein wird und Pete quasi damit zu einem Pionier

wird. Das freut mich sehr, denn er hat das Wissen und das

Talent, die NASCAR den Menschen im deutschsprachigen

Raum näher zu bringen.

In Europa wird die NASCAR immer noch unterschätzt.

Aus Sicht der Fahrer und Teams ist es ein knallharter Job. Aus

Sicht der Fans bietet NASCAR Unterhaltung pur. Drei Tage

lang Party, jede Menge Action und natürlich eine riesige

Identifikation mit dem bevorzugten Fahrer. Die Faszination für

diese Art von Veranstaltung füllt in den USA Rennstrecken mit

Zuschauern aus jeder Altersgruppe und sozialer Schicht.

NASCAR ist ganz bestimmt anders als jede andere Art von

Motorsport. Nicht schlechter, nicht besser, ganz einfach anders und

deswegen finde ich den Titel "Das Phänomen NASCAR" sehr gut gewählt.

Ich bin mir ganz sicher, dass dieses Buch jedem neuen

NASCAR-Fan, aber auch jedem alten NASCAR-Hasen sehr viel

Freude bereiten wird!

Günther Steiner

April 2012

PETE FINK • 6

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

01: "Circus Maximus" oder: Das Kolosseum der NASCAR 7

02: Moonshine, Bootlegger und der "Last American Hero" 25

03: Daytona, die Familie France und die Petty-Dynastie 39

04: "Win on Sunday, sell on Monday" 62

05: Der Krieg der Werke 79

06: Petty gegen Pearson 98

07: Die "Modern Era" beginnt 113

08: Dale Earnhardt: "Working Class Hero" 137

09: Die nächste Generation 155

10: Die Popularität steigt weiter 176

11: Jeff Gordon: Das Wunderkind aus Kalifornien 195

12: Goldene Jahre und ein rundes Jubiläum 212

13: "Smoke", "Junior" und ein Comeback 234

14: "We lost Dale Earnhardt" 253

15: Der Chase: Plötzlich gibt es Playoffs 272

16: Die Ära Jimmie Johnson beginnt 297

17: Das Car of Tomorrow 311

18: Die "Open-Wheel-Gang" 333

19: Johnson schreibt Geschichte 359

20: Der Multi-Milliarden-Gigant 383

Schlussworte

7 • DAS PHÄNOMEN NASCAR

Kapitel 1

"CIRCUS MAXIMUS" ODER

DAS KOLOSSEUM DER NASCAR

"Green, Green, Green!" 160.000 Menschen um mich

herum rasten komplett aus. Rund 38.000 PS werden direkt auf

meine Gehörgänge losgelassen. Der unvergleichliche Sound von

43 tief brüllenden V8-Motoren bohrt sich tief in meine Eingeweide.

Mein ganzer Körper vibriert im Inferno dieser 850-PSMonster,

die gerade an mir vorbeifliegen und in die erste Kurve

einbiegen. Keiner sitzt mehr. Alle stehen und schreien sich die

Seele aus dem Leib. Die gesamte Arena erzittert in ihren Grundfesten.

Die scheinbar bis in den Himmel ragenden Tribünen

sind so steil, dass diese infernalische Geräuschkulisse nirgendwohin

entweichen kann. Ein Hexenkessel. Eine wahre Gänsehautorgie

aus menschlichen Emotionen und technologischer

Kraft. Es ist ein Motorsport-Schauspiel über mehr als vier

Stunden. Jeder einzelne der 43 High-Speed-Junkies ballert alle

15 Sekunden dicht an mir vorbei. Eine Fahrbahn mit nur 800

Metern Länge, zwei kurze Geraden, dazu zwei mächtige

Steilkurven mit 30 Grad Überhöhung. Überschaubar in jeden

noch so kleinen Winkel. Intensiver geht es nicht. Der pure Wahnsinn.

Vor wenigen Augenblicken hat das Sharpie 500 begonnen

und ich bin mittendrin in diesem Circus Maximus. Wir

schreiben den August 2007 und ich denke mir heimlich, still und

leise: Herzlich Willkommen im Kolosseum der NASCAR!

Welcome to Bristol Motor Speedway!

Es ist ein absolutes Phänomen. Über 50 Rennen in Folge

oder ein Vierteljahrhundert war der Bristol Motor Speedway

zweimal pro Saison ausverkauft und die Warteliste für normale

Bristol-Tickets war ellenlang. Die Eintrittskarten werden ganz

einfach von einer Generation an die nächste weitervererbt.

Ohne Hilfe geht in Bristol für Außenstehende gar nichts und

genau diese Hilfe kam in meinem Fall von Red-Bull-Teamchef

Günther Steiner. Ich fühle mich wie nach einem Sechser im Lotto.

In aller Bescheidenheit: Ich glaube, ich habe in meinem

Motorsportleben schon viel gesehen. Ich habe das verrückte

Schumi-Zeitalter in Hockenheim und auf dem Nürburgring erlebt,

ich habe die Gerhard-Berger-Mania im alten Zeltweg mitgemacht.

Ich war zigmal im königlichen Parco von Monza bei

den italienischen Tifosi und ich kenne die Gegend rund um

Silverstone wie meine Westentasche. Hungaroring, Imola, den

Norisring und, und, und. "Das kannst du alles vergessen", sagte

Steiner irgendwann zu mir. "Komm mal nach Bristol und du

wirst die verrückteste Motorsport-Party überhaupt erleben."

Wie so viele andere auch, hat mich das NASCAR-Fieber

irgendwann in den 1990er Jahren gepackt. Damals gab es noch

kein Internet, unsere mittlerweile so klein gewordene Welt war

noch richtig groß. Die amerikanischen Südstaaten waren weit

weg, die Formel 1 hattest du hingegen direkt vor deiner europäischen

Nase. Und so wuchsen wir alle mit Niki Lauda und Co. auf.

Plötzlich brachte Eurosport Orte wie Daytona und Talladega

auf unsere Bildschirme. Plötzlich sahen wir haarsträubende

Rad-an-Rad-Duelle, die zumindest ich bislang in dieser Form

nicht gekannt hatte. Dale Earnhardt in der schwarzen 3, Mark

Martin in der 6, Bobby Labonte in der grünen 18. Was für ein

Wahnsinn! Später habe ich meine USA-Trips dann so geplant,

dass ich auf dem Weg nach Key West "zufällig" in Homestead

vorbeikam, oder in Las Vegas beim obligatorischen Wüstentrip

"zufällig" am Las Vegas Motor Speedway vorbeischauen konnte.

Der Badeurlaub in Florida fand nicht in Miami Beach, sondern

natürlich in Daytona statt, weil es dort ja "viel schöner" ist. Aber

in Bristol, in der tiefen Pampa genau an der Grenze zwischen

Virginia und Tennessee, war ich noch nie.

***

Die Anreise ist denkbar simpel. Nach einem Nonstop-Flug

München-Charlotte in einem angenehm klimatisierten Flieger

trete ich aus dem Douglas International Airport hinaus ins

Freie und erlebe die August-Hitze des amerikanischen Südens.

Die Sonne brennt aggressiv, schwül und gnadenlos.

Schätzungen besagen, dass um Charlotte herum etwa 70

Prozent aller Leute arbeiten, die ihr Geld im US-amerikanischen

Motorsport verdienen. Alle in der NASCAR. Diese

Gegend atmet also lupenreines V8-Benzin. Für mich ist die Millionenmetropole

in North Carolina aber nur eine Durchgangsstation.

Ich will ein paar hundert Kilometer weiter nördlich

in die sanften Hügel der Appalachen. Genau dort liegt der

Bristol Motor Speedway oder wie er ganz inoffiziell heißt: das

Kolosseum der NASCAR.

Es sind ungefähr 200 Meilen Fahrt. Wald, Bäume und Landschaft

soweit das Auge reicht. Ich bin Gast von Team Red Bull.

Ein Europäer in der amerikanischsten aller amerikanischen Motorsportarten.

Ein Exot, der von den meisten Teammitgliedern

neugierig, aber immer höflich und zuvorkommend beäugt wird.

 

Wir fahren mit einem Van. Im Bus wird eifrig diskutiert, ob

die Szenerie nun eher Ähnlichkeit mit europäischen Gegenden

in Frankreich oder der Schweiz habe. Banausen, denke ich. Hier

sieht es genau so aus wie im Schwarzwald oder im Allgäu. Nur

halt viel größer. Sehr viel größer. Und obwohl wir durch schattige

Wälder tuckeln, hat es um 18 Uhr abends immer noch 38

Grad Celsius. Im Schatten.

Es geht entlang des US-Highways 321. Das ist hochheiliger

NASCAR-Boden. Es ist eine der früheren Hauptschmuggelrouten,

auf der die Schwarzbrenner im Hinterland der Appalachen

ein Jahrhundert lang ihren "Moonshine" in die Metropolen

des Südens transportierten. Junior Johnson, der größte

"Bootlegger" aller Zeiten, winkt dir auf überdimensionalen

Werbeplakaten entgegen. Hier atmest du heiße NASCAR

Tradition pur.

Man braucht wirklich nicht besonders viel Fantasie, um in

jedem zweiten der vielen versprengten Einödhöfe immer noch

einen illegal vor sich hin dampfenden Whiskeykessel zu

vermuten. Gibt es ihn tatsächlich noch, den selbstgebrannten

Moonshine, den man nur heimlich zuhause trinken darf? Gibt

es ihn noch, den Bootlegger in seiner selbst aufgemotzten Kiste,

der den Moonshine von den Bergen in die Metropolen des Südens

schmuggelt? NASCAR-Pilgerer, fährst du von Charlotte

nach Bristol, dann holt dich dieser Glaube wieder ein!

***

Viele Kilometer vor dem Speedway tauchen plötzlich riesige

Hinweisschilder auf: "Welcome Race Fans" steht an jeder Tankstelle,

jedem Hotel, jedem Motel. Sogar vor vielen der kleinen

Kapellen aus Holz. Die Dörfer der Gegend bestehen aus

ungefähr zehn Holzhäusern, mindestens zwei Kirchen und einem

Tante-Emma-Laden. Ist die Gesamtzahl der Häuser größer

als Zehn, so befindet sich am Rande der Siedlung eine kleine

Shopping Mall. Soviel Luxus muss auch hier sein.

New York hin, Los Angeles her - dies hier ist das Amerika,

das ein Europäer nur ganz selten zu Gesicht bekommt. Warum

sollte er auch? Hier gibt es keine Sehenswürdigkeiten. Außer du

bist ein NASCAR-Junkie. Aber dann steht dir eine der größten

Attraktionen überhaupt unmittelbar bevor.

Auf den letzten Kilometern der Reise glaube ich, die tief

brüllenden V8-Motoren bereits zu erahnen. Was natürlich

kompletter Nonsens ist. Laut Navigationsgerät sind es noch

zehn Meilen, aber die Farmer haben alle ihre Wiesen bereits

kurz geschoren. Überall gibt es Parkplätze, die NASCARCamper

haben es sich bereits gemütlich gemacht. "Am Samstag

ist hier alles brechend voll", murmelt mein Red-Bull-Sitznachbar.

Insgesamt werden am Wochenende über 200.000 Menschen

erwartet. Der Bristol Motor Speedway hat ein Fassungsvermögen

von mehr als 160.000 Sitzplätzen. Diese Plätze werden

am Samstagabend zum Sharpie 500 restlos ausverkauft sein.

Aber am Freitagabend fährt bereits die zweite Liga der

NASCAR, die Nationwide-Serie. Und auch dort erwarten die

Veranstalter weit über 100.000 Zuschauer. Viele, so wird mir

versichert, haben für den Samstag keine Tickets mehr bekommen.

Sie bleiben dennoch vor Ort, um die prickelnde

Atmosphäre in vollen Zügen einzusaugen. Das Sprint-Cup-Rennen

selbst wird dann im Camper geschaut. Satelliten-Fernsehen

macht es möglich.

Während wir dem Speedway jetzt immer näher kommen,

fällt mir auf, dass von den 200.000 erwarteten Besuchern - grob

geschätzt - die Hälfte bereits da ist. Am Donnerstag! Fast alle in

ihren überdimensionalen Motorhomes. Kein Wunder, denn die

Hotels und Motels sind im Umkreis von 50 Meilen seit einem

halben Jahr restlos ausgebucht.

Als wir etwa einen Kilometer entfernt sind, kann ich den

Bristol Motor Speedway dann endlich in Natura sehen. Unglaublich!

Nach 200 Meilen Pampa erhebt er sich majestätisch

aus den sanften Hügeln Tennessees. Und mit einem Schlag wird

mir klar, warum die Amerikaner Bristol als das Kolosseum der

NASCAR empfinden: Ein solch dimensioniertes Bauwerk würde

man nur in den großen Metropolen erwarten.

Vielleicht ein Vergleich: Nach 200 Meilen Natur pur fühlt

es sich etwa so an, als würde die Münchner Allianz Arena im

tiefsten Bayrischen Wald stehen. Nur halt doppelt so groß. Ach

was. Mehr als das. Das NASCAR-Kolosseum von Bristol hat

mehr als das doppelte Fassungsvermögen jedes deutschen

Fußballstadions!

***

So kann man sich unschwer vorstellen, was in dem zum

Short-Track-Mekka der NASCAR umfunktionierten Städtchen

los ist. Zweimal im Jahr fällt eine Horde verrückter Stock-Car-

Fans ein, gegen die Hockenheim selbst zu besten Michael-

Schumacher-Zeiten ein geselliger Kegelausflug des Vereins

christlicher junger Männer war.

Der Speedway befindet sich etwa fünf Meilen außerhalb der

Stadt, weshalb wir nach der Akkreditierung einen kleinen Abstecher

nach Bristol selbst unternehmen. Das verschlafene Nest

liegt direkt an der Staatsgrenze von Tennessee und Virginia. Die

verläuft mitten durch das Städtchen. Keiner weiß mehr so

genau, warum das so ist, oder will es ohne Bezahlung verraten.

Auf alle Fälle wollen alle im Virginia-Teil wohnen. Dort sind

die Steuern um zwei Prozent niedriger als in Tennessee.

Natürlich ist die Einkaufsmeile von Bristol komplett

gesperrt und gespickt mit Showcars aller Teams, aller Hersteller,

aller NASCAR-Serien. Anfassen, hineinsetzen und sich

fotografieren lassen, das ist fast überall erlaubt. Und in den

zahlreichen klimatisierten Karaoke-Bars laufen seit dem frühen

Nachmittag Hillbilly-Countrynummern mit Titeln wie "My

Tractor Is Sexy". NASCAR ist eben bodenständig. Sehr bodenständig.

Und heiß. Fahrer, Mechaniker, Ingenieure, Fans,

Streckenposten, Journalisten - Bristol leidet unter der Glutsonne

des amerikanischen Südens. Das so beeindruckende Kolosseum

der NASCAR in den sanften Hügeln von Tennessee schwitzt.

Zweimal pro Saison wird in Bristol gefahren. Im Frühjahr an

einem Sonntagnachmittag, im Sommer jedoch an einem

Samstagabend. Der Grund ist mir nun sonnenklar: 500 Runden

oder vier Rennstunden in der prallen Hitze eines Augustnachmittags

wären für die Fahrer eine unmenschliche Tortour.

Für die Mechaniker im Infield und die Zuschauer auf den nicht

überdachten Tribünen wäre es ganz einfach lebensgefährlich.

Sonnenstich und Kreislaufkollaps lassen grüßen. So ist es kein

Wunder, dass der Stadionsprecher das ganze Wochenende über

ein volles Programm hat. Er ermahnt die bereits anwesenden

Fans fast alle fünf Minuten, sich im Schatten aufzuhalten und -

bitte, bitte - genug zu trinken. "Stay hydrated" schallt es monoton

aber regelmäßig aus den Lautsprechern.

Trotzdem, oder gerade deswegen, ist das Augustrennen von

Bristol ein absolutes Schmankerl. Dafür gibt es viele Gründe.

Vor allem ist es eines der so unglaublich beliebten und lukrativen

Samstagabendevents der NASCAR. Mit einer Startzeit

von 19 Uhr Ortszeit läuft das Sharpie 500 an der Ostküste

während der Prime Time. Das garantiert hohe Einschaltquoten

und sündteure Werbeblöcke. Nicht nur in NASCAR-USA extrem wichtig.

Dazu stellen die Short Tracks ganz einfach die Wurzeln des

Stock-Car-Sports dar und Bristol ist das große Mekka dieser

NASCAR-Pilgerer. Trotz Daytona, trotz Indianapolis. Man

muss es sich nur einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die

Fahrbahn in Bristol misst gerade einmal 800 Meter, sie hat zwei

gewaltige, 30 Grad steile Kurven und genau deswegen sind die

Geschwindigkeiten erstaunlich hoch. Und über allem stehen

riesige Tribünen, die bis in den Himmel zu ragen scheinen!

Dazu natürlich die klassischen NASCAR-Zutaten: 43 Autos,

die 500 Runden lang auf diesen nur 800 Metern um den

Sieg kämpfen. Der tief brüllende Sound der 850 PS starken V8-

Triebwerke kann wegen der steilen Zuschauerränge nirgendwohin

flüchten. Dazu das Geschrei von 160.000 fanatischen

NASCAR-Fans, die jede Ecke der Strecke einsehen können.

Und dieser ganze Cocktail zusammengepresst auf engstem

Raum. "Gentlemen, start your engines!" Bristol explodiert. Beim

Start erzittern die mächtigen Stahltribünen bis ins innerste

Mark. Nicht nur für die Puristen stellen die beiden NASCARShows

von Bristol zwei Pflichttermine dar. Das absolute

Highlight des Jahres ist das Sommerrennen an einem heißen

Samstagabend im August. Und ich werde mitten drin sein.

***

Ich bin sehr überrascht, wie klein das Infield von Bristol ist,

in dem sich die Teams samt ihrem kompletten Material, die

Offiziellen, die Sicherheitsleute und die versammelten Medien

aufhalten. Nicht einmal alle 43 Teamtrucks der qualifizierten

Sprint-Cup-Mannschaften passen in dieses Mini-Infield. Einige

der Hinterbänkler müssen deswegen ihr Lager außerhalb des

Areals aufschlagen. In der Arena selbst ist nur Platz für das Allernötigste.

Wenn man mitten im Infield steht, dann fallen einem in

Bristol sofort die beiden mächtigen Steilkurven auf. Steil ist in

diesem Fall auch die passende Bezeichnung. Denn aufgrund der

ganzen Teamtrucks links und rechts kann man das Geschehen

auf den beiden kurzen Geraden gar nicht genau verfolgen. Die Sicht ist versperrt.

Nicht so in den Kurven. Wie aus dem Nichts heraus tauchen

die Autos am Ende der Geraden auf und fahren nach oben in

die Kurve hinein. Wie Steilwandfahrer auf dem Münchner Oktoberfest

scheinen die eineinhalb Tonnen schweren V8-Boliden

auf der bis zu 30 Grad steilen Bahn zu kleben. Obwohl im offiziellen

NASCAR-Jargon von den Kurven eins bis vier geredet

wird, drehen sie im Prinzip jeweils eine große 180-Grad-Kurve

und verschwinden auf den Geraden wieder hinter den Trucks.

Das Ganze in einem Affenzahn, denn durch dieses extreme Banking

wird kaum gebremst. Die Piloten schaffen auf diesen rund

800 Metern Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 120

Meilen pro Stunde! Also etwa 190 Stundenkilometer! Die Zentrifugalkraft verrichtet ganze Arbeit.

Der Zeitplan des Wochenendes ist zackig gestaltet. Es gibt

am Freitag ein einziges Freies Training vor der Qualifikation. 48

Autos wollen einen Startplatz im 43 Mann starken Feld ergattern.

Die besten 35 Autos, also die Top 35 der Ownerwertung,

sind für das Rennen sicher qualifiziert. Für den Rest

ist die Anspannung mörderisch. Fünf Teams werden schon am

Freitag wieder nach Hause fahren müssen.

Bei meinem Gastgeber Red Bull ist die Lockerheit der

vergangenen Tage gewichen. Das Team ist erst seit einigen Monaten

in der NASCAR dabei und keines ihrer beiden Autos

steht unter den ominösen Top 35. Beide Stammpiloten, Brian

Vickers und A.J. Allmendinger, müssen also durch die Qualifikationsmühle.

Das Prozedere ist gnadenlos: Es ist ein Einzelzeitfahren,

in dem jeder Fahrer genau zwei fliegende Runden

drehen darf. Doch in Wirklichkeit ist es noch weniger. "Hier

geht es nur um die erste Runde, denn danach bauen schon die

Reifen ab", lautet die Auskunft von Red-Bull-Rennchef Elton

Sawyer. Nach nur 800 Einsatzmetern haben die Einheitsreifen

von Goodyear bereits soviel an Grip verloren, dass die zweite

Runde von Bristol immer die langsamere ist. Es sei denn, man

begeht in seinem ersten Versuch einen Fahrfehler. Aber dann ist

die Suppe in dieser grausamen Schlacht um Tausendstelsekunden

natürlich bereits gegessen.

Entscheidend ist das Freie Training zu Beginn. Das Auto

muss von der heimischen Fabrik aus so gut vorbereitet an die

Strecke gehen, dass vor Ort nur noch Feinjustierungen

stattfinden. "We unloaded very well", sollte der Kommentar lauten,

den die Piloten nachher in die Mikrofone der TV-Anstalten

sprechen. Frei übersetzt: Das Auto wurde aus dem Truck

hinausgerollt und alles hat sofort bestens funktioniert. Für

größere Setup-Experimente bleibt keine Zeit. Team Red Bull

muss also sofort auf den nötigen Speed kommen. Aber es sieht nicht gut aus.

Trotz seiner erst 23 Jahre ist Vickers der Erfahrenere der

beiden Piloten. Er ist in North Carolina geboren und hat sich in

der NASCAR hochgedient. Von ihm und seiner Startnummer

83 erwartet Red Bull die schnelleren Zeiten. Doch das Gegenteil

ist der Fall. NASCAR-Neuling Allmendinger, ein Kalifornier

mit IndyCar-Wurzeln, erzielt aus dem Stand heraus die

besseren Rundenzeiten. Aber auch seine Rückmeldungen über

das Fahrverhalten seines Toyota Camrys mit der Startnummer 84 sind nicht positiv.

Plötzlich wird es hektisch. Das Training läuft, aber das

Team entscheidet sich dazu, bei Vickers vorne rechts ein Aufhängungsteil

zu tauschen. In der glühenden Mittagshitze platzt

den Mechanikern beinahe der Schädel. Einen echten Sonnenschutz

gibt es nicht. Nur ein kleiner Paravan spendet wirkungslosen

Schatten, während keine fünf Meter weiter die

Meute um den Kurs jagt. Es ist so laut, dass die gesamte Kommunikation

via Funk beziehungsweise Handzeichen erfolgen muss.

Kurz vor dem Trainingsende kann Vickers noch einmal für

einen kurzen Run auf die Strecke fahren, doch der Effekt fällt

geringer aus als erhofft: Die Zeiten bleiben mager und die Qualifikation

für das Red-Bull-Vorzeigeauto mit der 83 wird auf der

Kippe stehen. Auch im Allmendinger-Team, das am anderen

Ende des Infields arbeitet, herrscht Unsicherheit. Deren Zeiten

sind zwar nach wie vor einen Hauch besser als die des Vickers-

Teams, aber der Kalifornier ist eben noch ein echter NASCARRookie.

Abgesehen von einem Gastauftritt in der Truck-Serie am

Mittwochabend ist es Allmendingers erster Kontakt mit dem

Short-Track-Monster von Bristol. Im Truck-Rennen konnte er

wenigstens ein paar Runden drehen, aber von der so wichtigen

Streckenerfahrung, der berühmt-berüchtigten "seat-time", will

bei Red Bull deswegen niemand sprechen.

Zwischen dem Ende des Freien Trainings und dem Beginn

der Qualifikation sind es keine zwei Stunden Pause. Die

Reihenfolge des nun folgenden Einzelzeitfahrens wurde am

Morgen ausgelost. Die beiden blauen Red-Bull-Toyota fahren

ziemlich in der Mitte des Feldes. Das ist weder positiv noch

negativ, kann die Unsicherheit im Team aber nicht abmildern.

5 von 5 Sternen!Jan M., 07.06.2012
Das Buch ist genial, habe es regelrecht verschlungen. Vielen Dank hier an Pete Fink, ich hoffe auf weitere Bücher von Dir.

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